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Zwischen Schule, Training, Wettkampf und Regeneration - Eine ganz normale Woche im Sportinternat


Der Stundenplan an einer Sportschule
Der wöchentliche Trainingsalltag an einer Sportschule

Montag


Der Montag war mit der entspannteste Wochentag. Mein Stundenplan sah kein Unterricht am Vormittag vor. Somit konnte ich die Zeit bis zur ersten Schulstunde für kleine Besorgungen, Telefonate oder Entspannung nutzen. In der Schule stand dann für mich Erdkunde und Biologie auf dem Stundenplan. Das Training am Abend bestand häufig aus einem Laufprogramm von 30-40 Minuten mit anschließenden Saunagängen. Neben dem aktiven Training stand zudem das Thema Regeneration im Fokus. Neben dem stressigen Schulalltag sollte eine ausgiebige Regeneration immer ein wichtiger Bestandteil im Leistungssport sein. Leider wird dieser Bereich aus meiner Sicht oftmals zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Neben Sporthalle, Kraftraum und Internat gab es vor Ort auch Ärzte, eine Physiotherapiepraxis und die sog. Laufbahnberatung, die für jeden Kaderathleten vom Olympiastützpunkt zur Verfügung stand.



Dienstag


Der frühe Vogel fängt den Wurm. Am Dienstag ging es für uns sehr früh aus den Federn. Der Wecker klingelte gegen 06.15 Uhr. Schnell aufstehen, Zähne putzen und ab in die Mensa. Um 06.55 Uhr saßen wir dann auf unseren Fahrrädern und fuhren zum Krafttraining. Aufgrund unserer Schulstunde um 09.50 Uhr mussten wir das Krafttraining so früh beginnen. Der Schweinehund war groß. Sehr groß. Da jedoch das gesamte Team im Kraftraum anwesend war, erleichterte dies die Motivation. Am Ende des Krafttrainings überwog dann das Gefühl der Zufriedenheit und wir konnten uns noch mit einem ausreichendem Zeitpuffer für die Schule vorbereiten. In der Schule angekommen, warteten die Fächer Biologie und Englisch auf mich – jeweils als Doppelstunde. Zwischen den beiden Fächern hatten wir etwas Pause und wir konnten in der ansässigen Mensa unser Mittagessen zu uns nehmen. Nach der Schule wartete das erste Balltraining der Woche auf uns. Meist trainierten wir von 16.30 Uhr bis 19.00 Uhr direkt in der Ballsporthalle neben der Schule. Nach Trainingsschluss hetzten wir verschwitzt unter die Dusche und radelten wieder zurück zum Internat.



Mittwoch


Auch am Mittwoch ging es direkt wieder sportlich los. Auf dem Stundenplan standen die Fächer Sport Praxis, Geschichte und Chemie. Der Mittwoch war immer der längste Schultag. Jeder war froh, wenn der Mittwoch geschafft war. Nach Schulschluss um 16.10 Uhr blieb wenig Zeit, um es pünktlich zum Nachmittagstraining 16.30 Uhr zu schaffen. Häufig erwartete uns ein Training im Turnierformat. Wir spielten dabei über die Saison hinweg immer Zwei-gegen-Zwei auf halbem Feld. Jede Spielerin sammelte so individuell ihre Punkte und am Ende der Saison gab es eine Gewinnerin. Leider hat es für mich in den drei Jahren nie zum Gesamtsieg gereicht.



Donnerstag


Der Donnerstag ähnelte dem Dienstag. Früh ging es für uns wieder zum Krafttraining. Das Krafttraining fand immer in der ortsansässigen Beachhalle statt. So konnten wir abwechslungsreich unsere Übungen im Kraftraum oder sogar im Sand absolvieren. Die Schule startete mit Sport Theorie und Kunst. Um 14.00 Uhr war die Schule beendet. Den zeitlichen Puffer vor dem Training nutzten wir um Hausaufgaben zu erledigen oder für Klausuren zu lernen. Da wir Mädels in der Schule und im Training ständig zusammen waren, fiel uns der schulische Austausch nie schwer.



Freitag


Der letzte Tag der Woche stand an. Am Freitag gab es für die Spielerinnen, die erst später Schulunterricht hatten, ein leichtes Techniktraining mit dem Ball. Anschließend wartete noch die Schulfächer Mathe und Deutsch auf uns. Mit dem letzten Klingeln gegen 14.10 Uhr war die Schulwoche dann geschafft. Hoch die Hände - Wochenende. Glücklich ging es dann für uns ins Balltraining am Nachmittag mit der gesamten Mannschaft sportlich weiter. Hier bereiteten wir uns dann meist auf den Gegner am Wochenende vor.



Wochenende


In den Herbst-und Wintermonaten standen für uns am Wochenende die Bundesligaspiele mit dem VCO Berlin auf dem Programm. In meinen drei Jahren in Berlin spielte ich in der zweiten Bundesliga Nord und in der ersten Bundesliga für den VCO. Ehrlich gesagt, gab es für uns in den Spielen nie wirklich etwas zu holen. Dennoch profitierten wir alle maßgeblich von der Spielpraxis und dem Leistungsniveau in der Bundesliga. Wir sammelten Erfahrung und konnten uns an das Level gewöhnen. Die Freude über jeden Satzgewinn und jeden Punkt war auf jeden Fall da.



 

Side Facts


Führerschein


Im Alter von 17 Jahren kam dann der Gedanke auf zeitnah den Führerschein zu machen, damit ich mit 18 Jahren die Straßen unsicher machen konnte. Ältere Spielerinnen und Sportler im Internat empfahlen uns eine Fahrschule relativ nah am Sportkomplex Hohenschönhausen. Die Theoriestunden absolvierten wir sodann zweimal wöchentlich spätabends (19.00-20.30 Uhr) direkt nach dem Balltraining, sodass wir erst gegen 21.00 Uhr zum Abendbrot zurück in der Mensa waren. Die Fahrstunden konnten wir mit Hilfe des Fahrlehrers immer flexibel in die Wochenplanung mit einbinden, sofern dies der Stundenplan zuließ.



Facility


In meiner Internatszeit von 2010-2013 befand sich die Schule, das SLZB, noch nicht auf dem Gelände des Sportforums. Täglich radelten wir mit unseren Fahrrädern vom Internat ca. 3 km zur Schule. Nur bei absolutem Schneefall nutzten wir die Straßenbahn bis zur Landsberger Allee. Die Straßenbahn platzte meist aus allen Nähten, Kondenswasser machte sich an den Scheiben bemerkbar und der Rucksack, vollgestopft mit Schul- und Trainingssachen, drückte in die Schultern. An der Haltestelle angekommen hetzten wir oftmals die restlichen 800 m in die Schule. Seit Sommer 2013, also direkt nach meinem Abitur, wechselte die Schule den Standort und bildet das heutige SLZB.


Durch Rücksprache mit anderen Spielerinnen, die ebenfalls an einem Bundesstützpunkt trainiert haben, kann ich sagen, dass Schul- und Internatskomplex häufig direkt nebeneinander liegen und auch die Trainingshallen fußläufig erreichbar sind. Dies erleichtert den Schul- und Trainingsalltag aller Spielerinnen enorm.





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