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Unterwegs mit der Jugendnationalmannschaft

Aktualisiert: 1. Apr.

Ein Gastbeitrag von Lotte Goertz


Hey, ich heiße Lotte Goertz, bin 19 Jahre alt und spiele derzeit meine erste professionelle Saison beim Dresdner SC in der 1. Bundesliga. Zuvor habe ich beim VCO Dresden, der Nachwuchsmannschaft des Bundesstützpunktes Dresden, gespielt.


Lotte Goertz
Foto: Amelie Jehmlich

Aktuell spiele ich ebenfalls in der Jugendnationalmannschaft und möchte euch einen genaueren Einblick in die Maßnahmen der Jugendnationalmannschaft und alles, was eben dazu gehört, geben.


Die Reise einer Jugendnationalspielerin beginnt mit der Sichtung durch den Bundestrainer. Dabei finden die ersten Sichtungen während der Bundespokale statt. Dies ist ein Turnier, in dem sich die verschiedenen Landesverbände messen und auch der Bundestrainer anwesend ist.

Doch über die weiteren Jahre hinweg, werden auch immer wieder Spielerinnen bei anderen Wettkämpfen gesichtet. So entsteht ein Kader, der zu Beginn oftmals variiert, da neue Talente entdeckt werden. Ich wurde beispielsweise nicht bei einem der Bundespokale gesichtet, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.


Ich gehöre aktuell dem U-20 Team an, dass in der Regel das letzte Jahr der Jugendnationalmannschaft darstellt. Das Team besteht mittlerweile aus einem überwiegend festen Kader, dem NK1 (Nachwuchskader) an. Es ist wichtig zu sagen, dass fast alle NK-Athletinnen an einem der fünf Bundesstützpunkte in Deutschland trainieren, da hier optimalen Bedingungen zur Entwicklung der Spielerinnen geboten werden und wir Schule und Training perfekt miteinander verbinden können.


Lotte Goertz in der Annahme
Foto: Denis Trapp

Trainingslehrgänge und Freundschaftsspiele


Um an den Maßnahmen teilnehmen zu können, benötigen die Spielerinnen die Zustimmung der Schule. An meiner Schule, dem Sportgymnasium Dresden, muss ich hierzu einen Freistellungsantrag stellen, der die Unterschrift des zuständigen Trainers und dem Tutor vorsieht. Zudem muss ich Absprachen mit meinen Lehrern bei Versäumnissen von Leistungskontrollen oder Klausuren treffen sowie Vor- oder Nachschreibetermine vereinbaren. Für all das bin ich selbst verantwortlich. Das Nacharbeiten des Schulstoffs erfordert viel Disziplin und Motivation. Manchmal klappt es besser, manchmal weniger.


Zu einem Lehrgang, der entweder als Vorbereitung auf ein Turnier oder einfach zum Training dient, werden meistens mehrere Spielerinnen eingeladen. Im Training oder auch während des Turniers steht das Zusammenspiel sowie die Ausbildung von technischen Elementen im Vordergrund. Die meisten Trainingslager gehen über einen Zeitraum von ein paar Tagen bis zu mehreren Wochen. Am Ende der Vorbereitungsphase folgt die Nominierung des Wettkampfkaders für das bevorstehende Turnier.


Die meist kurze Vorbereitungszeit erfordert komplexe Trainingseinheiten, die sich vor allem auf die Abstimmung zwischen den Zuspielerinnen und Angreiferinnen fokussieren sowie auf das Erreichen einer guten Teamdynamik. Auch Teambuildingmaßnahmen und der Einsatz von Sportpsychologen stärken das Zusammenwachsen des Teams. In der Freizeit werden oft Karten gespielt und geplante Aktivitäten unternommen. Zum Beispiel habe ich im letzten Jahr Silvester mit meinen Natio-Kolleginnen zusammen verbracht, da der Lehrgang direkt nach Weihnachten bis hin ins neue Jahr stattfand. Wir spielten Lasertag und rutschten am Abend alle gemeinsam, bei einem Team-Dinner, ins neue Jahr. Da alle Spielerinnen meistens aus dem gleichen Jahrgang stammen, entstehen sehr schnell Freundschaften untereinander, die das Teamgefüge enorm stärken können.


Am Ende der Vorbereitungsphase finden Testspiele gegen andere Nationen statt, um das Zusammenspiel zu festigen und festzustellen, welche Bereiche noch bis zum Turnierbeginn forciert werden müssen. Am Ende des Trainingslagers erfolgt die Nominierung des finalen Kaders.


Der Wettkampfablauf


Nach der Nominierung rückt der Wettkampf in greifbare Nähe. Je nach Ort und Lage reisen wir meist mit dem Flugzeug zu den Wettkämpfen. Die Turniere variieren in ihrer Dauer, von wenigen Tagen bis zu zwei Wochen. In der Regel ist die Anreise so geplant, dass das Team noch mindestens einen Trainingstag in der Wettkampfhalle ergattert, um sich an das Umfeld und die Hallengegebenheiten zu gewöhnen.


Dann setzt der Spielbetrieb ein, wobei für gewöhnlich jedes Team, ein Spiel pro Tag bestreitet. An einem Spieltag findet am Vormittag meistens noch eine Ball-oder Athletikeinheit statt. Natürlich in Abhängigkeit von der Belastung der Spielerinnen. Spielfreie Tage nutzen wir sodann direkt für Regenerationsmaßnahmen.


Lotte Goertz in der Annahme
Foto: Denis Trapp

Die Unterkünfte, in denen das Team untergebracht ist, reichen dabei von verschiedenen Hotels bis zu Jugendherbergen. Bei Turnieren werden die Teams aller Nationen oft in derselben Unterkunft einquartiert. Dies ist ein absolutes Highlight für alle Spielerinnen. Denn dies ermöglicht uns einen Austausch mit anderen Teams, sowie das Tauschen von Wettkampfkleidung.


Zudem lernt man Bräuche und Kulturen von anderen Mannschaften kennen, was äußerst interessant ist. Hier wird mir meist bewusst, dass es ein enormes Privileg ist, sein Land international zu vertreten und mit dem Adler auf der Brust spielen zu dürfen. Der Weg in die Jugendnationalmannschaft ist anspruchsvoll, aber die gesammelten Erfahrungen und die Gemeinschaft mit Spielerinnen aus meinem Altersbereich machen jede Anstrengung wertvoll. Man entwickelt sich nicht nur sportlich weiter, sondern auch persönlich.


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